Neue schulische Erziehung in Finnland – das erste Land im PISA-Verbund, das radikal den Unterricht dem Leben anpasst

Finnland plant das, was man instinktiv machen würde, wenn Kinder der Basisschulen und höher nicht mehr ruhig sitzen und dem Lehrer lauschen können oder wollen. Man bindet sie in Selbstlernprojekte und Gruppenarbeiten ein. Was in vielen Schulen theoretisch gefordert und praktisch durch rückwärts gewandte Lehrer oder ministerielle Verwalter verhindert wurde, ist jetzt in Finnland Chefsache. Die Regierung möchte Gruppenlernen an Themen aus dem Alltag zum Aufhänger des Schulalltags machen. Wunderbar! So steigen die Kinder mit ein und lernen verschiedene Großthemengebiete aus dem Leben, die sie täglich erfahren und verstehen sowie mitgestalten wollen! Die Finnen nennen das– «Phänomene» des Alltags. Schule und Einstieg ins Berufsleben sollen so gleitend ineinander übergehen. Schulen integrieren jetzt schon mehrere Wochen pro Jahr mit dieser Form des thematischen Lernens und haben Testphasen begonnen. Zwei Drittel der finnischen Lehrer wurden bereits für dieses System ausgebildet. Die Lehrer sind angehalten, die Projekte und Stunden fortan im Team zu planen und zu gestalten. Also keine beamteten Individualhelden – mal progressiv, mal veraltet frontal und autoritär, mal gar nicht – wie bei uns, sondern echte Teamworker, die alle zur Gestaltung eines Projektes mit vielen Facetten beitragen. Natürlich nicht mehr frontal, sondern in Arbeitsgruppen, was ja Direktoren bei uns ein Dorn im Auge sein konnte, weil die Putzfrauen die Tische wieder zurückschieben mussten und die Kinder zu laut werden würden. Schüler sollen hier geleitet und mit Eigeninteresse ein Problem bearbeiten und an den Ergebnissen der anderen teilhaben. Natürlich ist alles theoretisch in Seminaren und in fortschrittlichen deutschen Schulen auch schon praktisch vorhanden. Das Gegenteil mit krassen Missverhältnissen aber auch. Deutsche Schulen stehen genauso und noch mehr als die Finnen vor einem radikal notwendigen Wandel des Unterrichts. Übrigens halten die Finnen dauerhaft Platz 1 in PISA-Angelegenheiten.

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