Live-Musik und ihre positive Wirkung auf die Zuhörer

Das persönliche Spiel eines Musikers löst mehr emotionale Reaktionen im Gehirn aus als die standardisierte Version eines Musikstücks. Das hat ein US-amerikanisches Forscherteam durch Befragungen und Hirnscans von Hörern herausgefunden. Ein Klavierwerk weckt demnach mehr Gefühle, wenn es von einem Pianisten interpretiert wird – statt von einem Computer abgespielt. Der Grund: Die Tempo- und Lautstärkeveränderungen des Klavierspielers geben dem Musikstück erst die richtige Würze – und Authentizität. Das nehmen besonders Menschen wahr, die selbst ein Musikinstrument spielen: Sie haben beim Hören von Musik mit persönlicher Note mehr Freude als andere. Bei vielen Jugendlichen scheint dieses Erleben gestört, denn sie stehen ja immer mehr auf synthetische Klänge und lassen sich mit Techno, House, Dance berieseln, als ob es keine Livemusik gäbe. Live nur insofern, dass  ein DJ die Technik beherrscht und ordentlich Mixes herstellt.

Musik weckt Gefühle – wie stark, kann selbst bei ein und demselben Musikstück variieren. Woran das liegt, wollte das Forscherteam anhand eines Musiktests und Gehirnscans herausfinden. Dazu haben sie eine Etüde von Frederic Chopin aufgenommen, gespielt von einem Pianisten. Dann rekonstruierten sie genau das gleiche Stück mit Hilfe eines Computers – allerdings ohne persönliche Note des Klavierspielers. Beide Versionen hatten demzufolge die gleiche Melodie und den gleichen Rhythmus. Einziger Unterschied: Während die Interpretation des Klavierspielers stimmungsbedingte Änderungen der Lautstärke und des Tempos erlaubte, war die unpersönliche Variation gleichbleibend laut und schnell.

Die Forscher befragten für ihre Studie insgesamt 125 Studenten zwischen 18 und 29 Jahren nach ihren Erfahrungen mit Musik. Daraufhin konnten sie die Probanden danach einteilen, ob sie selbst ein Musikinstrument spielten oder aber gar keine eigene Musikpraxis hatten. Die Wissenschaftler spielten dann den Studienteilnehmern sowohl das vom Pianisten interpretierte als auch das künstliche Werk vor. Währenddessen sollten die Hörer ihre Emotionen beim Hören der Stücke einschätzen. Anschließend lauschten die Probanden noch einmal den Werken – diesmal aber, während die Forscher Gehirnscans von ihnen aufgenommen haben.

Die Version des Klavierspielers weckte bei allen Probanden mehr Gefühle als die Computer-Variante, ergaben die Befragungen. Die Gehirnscans bestätigten diese Einschätzung: Die Hirnregionen, die für die Entstehung von Emotionen zuständig sind, waren bei den Studenten, die dem persönlich interpretierten Musikstück lauschten, besonders aktiv. Die Scans verrieten außerdem: Die Zuhörer mit Musikpraxis haben offenbar mehr Freude am Hören als die unerfahrenen Probanden. Ob das entweder daran liegt, dass musikalische Erfahrungen das Gehirn stärker aktivieren oder ob die Freude am Musikhören Menschen dazu bringt, selbst zu musizieren, können die Wissenschaftler allerdings nicht sagen.

Auffällig war außerdem, dass die sogenannten Spiegelneurone bei den musizierenden Probanden besonders aktiv waren. Diese Nervenzellen spielen für das Verständnis und Imitieren von Handlungen eine entscheidende Rolle. Die Forscher vermuten daher, dass diese Nervenzellen auch dafür verantwortlich sind, dass Menschen beim Hören eines Musikwerks die Gefühle des Interpreten nachempfinden können.

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