Was Täter und Dulder verbindet: Fehlende Konfliktlösungsstrategien machen Jugendliche zu Schlägern oder Opfern

Kinder und Jugendliche mit Defiziten beim Umgang mit Problemen und Konflikten sind einem überdurchschnittlich hohen Risiko ausgesetzt, zu Schlägern oder auch deren Opfern zu werden. Das haben US-Wissenschaftler in einer großangelegten Studie nachgewiesen, in der ihren Angaben zufolge erstmalig die äußeren Einflüsse untersucht wurden, die zu dem auffälligen negativen Verhalten führen. Schätzungen deuten darauf hin, dass weltweit bis zu 30 Prozent der Jugendlichen zu dem Kreis der Täter und Opfer zählen. Eine Lösung könnte ein gezieltes Lehren von Lösungsstrategien für Konflikte und richtigem Verhalten in unterschiedlichen sozialen Kontexten sein.

Clayton Cook von der Louisiana State University in Baton Rouge und seine Kollegen analysierten für ihre Studie 153 Untersuchungen aus den vergangenen 30 Jahren. In den einzelnen Arbeiten waren dabei zwischen 44 und 26.430 Betroffene befragt worden, die zwischen drei und 18 Jahre alt waren und in den USA oder in Europa lebten. In die Untersuchungen wurden die Betroffenen selbst sowie Altersgenossen, Eltern und Lehrer einbezogen. Bewertet wurden Eigenschaften wie soziale Kompetenz, die familiäre Umgebung, schulische Leistungen und Umgebung, aber auch das Gemeinschaftsverhalten sowie die Einflüsse durch Gleichaltrige und die eigenen Gefühle und Gedanken.

Wie erwartet, neigen Jungen eher zu rüpelhaftem Verhalten als Mädchen, zeigte die Auswertung. Ein typischer Raufbold hat enorme Schwierigkeiten, mit alltäglichen Problemen des Lebens umzugehen – vor allem, wenn auch seine schulischen Leistungen mangelhaft sind. Die soziale Herkunft war hingegen überraschenderweise wenig ausschlaggebend. Viele Eigenschaften waren zudem beiden Seiten, Tätern und Opfern, gemein: Gewöhnlich waren sie ihren Mitmenschen und sich selbst gegenüber äußerst negativ eingestellt und kamen oftmals aus einem Elternhaus, in dem ständig Konflikte ausgetragen wurden. Sie sahen die Schule als notwendiges Übel an und verhielten sich im schulischen Umfeld dementsprechend aggressiv.

Darüber hinaus spielt offenbar das Alter eine wichtige Rolle dabei, wie die Jugendlichen mit ihren Problemen umgehen. Jüngere Problemkinder waren eher trotzig, aggressiv und neigten zum Unruhestiften. Die älteren zeigten sich dagegen eher in sich gekehrt, deprimiert und ängstlich und hatten deutlich größere Probleme damit, abgewiesen zu werden oder unbeliebt zu sein. Nach Ansicht der Wissenschaftler müsse das Problem bei der Wurzel gepackt werden: Statt zu versuchen, auffällige Kinder und Jugendliche zu bestrafen oder etwa zu einem Schulwechsel anzuhalten, sollten sie in speziellen Kursen soziale Kompetenz aufbauen. Unbedingt einbezogen werden müssten das Elternhaus, die Lehrer und die Altersgenossen.

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