Autismus auch mit dem Gehör erkennen

Lautanalyse erkennt den Stand der Sprachentwicklung und Störungen bei Kindern

Autismus lässt sich bei Kindern weitaus früher erkennen als bislang angenommen. Das haben US-Forscher bei der Auswertung der Lautmuster von 232 Kindern im Alter bis zu vier Jahren herausgefunden. Die Stimmen wurden dazu mit einem hochempfindlichen Aufnahmesystem mitgeschnitten und auf charakteristische Lautmuster untersucht. Autismus und allgemeine Sprachfehler lassen sich danach bereits im Alter von 18 Monaten feststellen. Da die Analyse nicht auf Wörter, sondern auf charakteristische Laute baut, sei eine generelle sprachunabhängige Untersuchung von Kindern möglich. In Zukunft könnten Entwicklungsstörungen früher und effektiver therapiert werden.

Autismus ist eine tiefgreifende Entwicklungsstörung, die sich in unterschiedlichen Ausprägungen zeigt, angefangen bei leichten Verhaltensproblemen bis hin zu schwerwiegenden geistigen Beeinträchtigungen. Dabei haben die Patienten oft nicht nur Schwierigkeiten, mit anderen Menschen zu sprechen und Gesagtes richtig zu interpretieren: Sie verstehen auch Mimik und Körpersprache nicht und können sie nicht adäquat einsetzen. Beim frühkindlichen Autismus ist neben den Verhaltensauffälligkeiten besonders die Sprachentwicklung betroffen. Autismus werde derzeit im Durchschnitt erst im Alter von fast sechs Jahren diagnostiziert, schreiben die Wissenschaftler um Kimbrough Oller von der University of Memphis. Das sei sehr spät, um den Kindern mit entsprechenden Therapien effektiv helfen zu können.

Um die Krankheit frühzeitig über Lautmuster zu diagnostizieren, haben die Wissenschaftler 1.486 Aufzeichnungen von 232 Kindern im Alter von zehn Monaten bis vier Jahren hergestellt. Darunter waren Kinder ohne Sprachstörungen und auch Kinder, bei denen Autismus bereits festgestellt worden war. Eingesetzt wurde ein selbst entwickelter digitaler Sprachprozessor mit integrierter Sprachanalysesoftware, die sogenannte Language Environment Analysis (LENA). Das kleine Aufnahmegerät zeichnete die Laute der Kinder ganztägig auf und unterschied diese zuverlässig von Schreien oder Umweltgeräuschen.

Die Forscher betrachteten zwölf akustische Faktoren, die in engem Zusammenhang mit der Sprachentwicklung stehen. Als besonders aussagekräftig erwies sich die Silbentrennung: Sie dokumentiert die Fähigkeit des Kinds, mit schnellen Bewegungen des Kiefers und der Zunge klar getrennte Lautsilben zu erzeugen. Säuglinge, deren Sprache sich normal entwickelt, können dies bereits in den ersten Monaten ihres Lebens. Autistisch veranlagte Kleinkinder hingegen weisen Unregelmäßigkeiten in der Lautbildung auf.

Indem die Wissenschaftler mit LENA das Verhältnis von sprachähnlichen Äußerungen zu weniger eindeutigen Lauten auswerteten, konnten sie auch den typischen Entwicklungsstand der Sprache für ein bestimmtes Alter feststellen. In zehn von zwölf Fällen zeigten Kinder mit Autismus deutlich geringere Übereinstimmungen zwischen den zwölf akustischen Merkmalen und dem entsprechenden Alter, als es bei Kindern ohne oder mit leichten Sprachentwicklungsstörungen der Fall war. Eine weiterentwickelte LENA-Analysetechnik könne einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung von Autismus leisten, wodurch früher therapiert werden könne, schreiben die Verhaltensforscher.

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2 Antworten zu Autismus auch mit dem Gehör erkennen

  1. dasfotobus schreibt:

    Interessanter Artikel.
    Funktioniert diese Methode nur bei Kanner oder auch bei Asperger? Momentan werden HFA (high functioning autism, der hochfunktionale Autismus beim Kanner) und Asperger-Autismus in der Diagnostik vor allem am Zeitpunkt der Sprachentwicklung unterschieden. Asperger-Autisten haben keine Sprachentwicklungsverzögerung. Daher wäre es interessant zu wissen, ob diese Methode bei allen Formen des Autismus funktionabel ist.
    Zumal in der nächsten ICD meines Wissens alle bislang unterschiedenen Formen des Autismus zur Autismus-Spektrum-Störung zusammengefasst werden sollen.

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