Näher als Fukushima: Strahlenbelastung durch Radon im Haus

 In den vergangenen Wochen haben sich viele Menschen Sorgen wegen einer möglichen Strahlenbelastung durch radioaktive Partikel aus Japan gemacht. Kaum im öffentlichen Bewusstsein, aber, im wörtlichen Sinne, viel näher liegend ist die Gefahr einer
Strahlenbelastung durch Radon in den eignen vier Wänden. Laut Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit macht Radon mit seinen Zerfallsprodukten im Mittel etwa 30 Prozent der Strahlenexposition der deutschen Bevölkerung aus. „Das Edelgas gilt nach dem Zigarettenrauchen als zweitwichtigste Ursache für Lungenkrebs in der Allgemeinbevölkerung“, erklärt Dr. med. Klaus Schmid, Facharzt für Umwelt- Arbeits- und Sozialmedizin an der Universität Erlangen. „Während die Bevölkerung über Gefahren z. B. durch Asbest oder Feinstaub informiert wird, ist die Gefahr durch Radon jedoch kaum bekannt. Dabei gibt es einfache und wirksame Methoden um die Gefährdung zu erkennen und zu minimieren.“

Unsichtbare Gefahr aus dem Boden
Die Quellen für Radon sind Uran und Thorium, zwei Elemente, die fast überall in winzigen Spuren im Boden vorkommen und langsam radioaktiv zerfallen. In der Abfolge des Zerfalls entsteht unter anderem das farb- und geruchlose Edelgas Radon, das aus den obersten Bodenschichten ausströmt. Daher kommt es auch in der Atmosphäre vor, allerdings so stark verdünnt, dass es keinen Einfluss auf die Gesundheit hat. Unter bestimmten Umständen kann die Radonkonzentration in Innenräumen jedoch schädliche Werte erreichen. Nämlich beispielsweise dann, wenn das Gas durch eine undichte Bodenplatte oder durchlässiges Mauerwerk in das Haus gelangt und sich dort weiter ausbreitet – vor allem in Kellerräumen und den unteren Stockwerken.

Radonbelastung in Deutschland nicht überall gleich hoch
Die Strahlenbelastung durch Radon in Innenräumen kann sehr unterschiedlich sein. Messungen in Wohn- und Schlafzimmern in über 27.000 Wohnungen zeigen, dass die Belastung durchschnittlich 49 Becquerel (Bq) pro m³ beträgt. Doch nicht selten ist die Belastung um einiges höher: In Deutschland fanden sich bei Messungen in 36 Prozent der Fälle Werte über 100 Bq pro m³ und in etwa 18 Prozent gar Werte höher als 200 Bq pro m³. Radon kommt vermehrt in Gebieten mit hohem Uran- und Thoriumgehalt im Boden vor, wie beispielsweise den deutschen Mittelgebirgen aus Granitgestein. So erklärt sich, dass das Edelgas im Süden Deutschlands in wesentlich höherer Konzentration nachgewiesen wird als im Norden.

Lungenkrebs durch das Gas aus dem Untergrund
Die gesundheitliche Gefährdung geht weniger vom Radon selbst aus, sondern von seinen kurzlebigen radioaktiven Zerfallsprodukten. Diese werden eingeatmet und im Atemtrakt abgelagert, wo sie weiter zerfallen. Die dabei entstehende energiereiche Alphastrahlung trifft die empfindlichen Zellen des Bronchialepithels und schädigt diese. Große Studien aus Europa, USA und China zeigen übereinstimmend den Zusammenhang zwischen Radon-Belastungen in Wohnräumen und dem Auftreten von Lungenkrebs. „Man geht davon aus, dass das Risiko für Lungenkrebs linear mit der Strahlenbelastung durch Radon steigt, und zwar um bis zu 16 Prozent je 100 Bq“, so Schmid. Radon in Innenräumen wird von Experten für mindestens 5 Prozent aller Todesfälle infolge von Lungenkrebs verantwortlich gemacht – das sind 1.896 Todesfälle pro Jahr in Deutschland. „Die gesundheitliche Relevanz ist für den Umweltbereich damit deutlich höher als die von Asbest“, sagt Schmid weiter.
Daher hält Schmid die Ermittlung des Jahresmittelwertes der Radonkonzentration in häufig genutzten Räumen für sinnvoll: „Qualitätsgesichert ist dies bereits für unter 50 Euro möglich. Besonders wichtig ist diese Messung in Gebieten mit bekannt hoher Bodenluftkonzentration und wenn die Räume im Keller oder in den unteren Stockwerken liegen.“

Weitere Informationen finden Sie in „Radon – Merkblätter zur Senkung der Radonkonzentration in Wohnhäusern“ vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit unter:
http://www.bmu.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/radon_merkblaetter.pdf

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